Freitag Abend, es ist 19:05 Uhr. Ich bin ein wenig zu früh dran, denn meine Verabredung mit den Steinleitners war erst in zehn Minuten. Also ein bisschen rumkuken und warten. Pünktlich auf die Minute kommt Markus vorgefahren und nur wenige Augenblicke später auch schon seine bessere Hälfte, Steffi.

Er wirkt ein bisschen müde und auf meine Frage woher das komme, meinte er das er seit über 15 Stunden am Arbeiten sei und noch etliche Dinge am anstehenden Wochenende zu erledigen hätte, aber für heute wäre Schluss. An dieser Stelle möchte ich mich erneut für die Zeit und den netten Abend bedanken.

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Markus und Stefanie Steinleitner

Wir gingen gingen hinein um ein wenig Ruhe zu haben und nahmen Platz. Die beiden boten mir Brot, Brezen und Getränke an – ich entschied mich für ein Wasser an diesem warmen Tag. Sie selbst schnappten sich jeweils selbst noch eine Kleinigkeit und wir begannen mit unserem Gespräch.

D: „Fangen wir einfach an. Mit wem habe ich es heute zu tun?“

Markus Steinleitner: „Markus Steinleitner, Bäcker- und Konditormeister und seit Dezember letzten Jahres auch Brotsommelier. Davon gibt es in ganz Deutschland derzeit nur 27.“

Stefanie Steinleitner: Mein Name ist Stefanie Steinleitner… irgendwie fällt es mir manchmal gar nicht so leicht, kurz und knackig zu sagen, was ich bei uns mache.“

Markus Steinleitner: „…du bist das Gesicht unserer Firma und natürlich auch der Kopf hinter den Projekten und das Stimmchen in meinem Ohr, das mich, seit wir uns kennen, motiviert und voran bringt.“

D: „Erzählt mir doch etwas über euren Betrieb.“

Stefanie Steinleitner:Wir backen Brot für Menschen, denen der URgenuss  wichtig ist und die den Unterschied einfach schmecken und vor allem für sich genießen wollen. In unseren Filialen, in und um Straubing haben wir uns insbesondere auf Brot und Baguettes spezialisiert.“

D: „Aber ihr habt schon auch noch Kuchen und ähnliches?“

Markus Steinleitner: „Ja klar, Kuchen, Torten, Semmeln, Brezen und all diese Dinge führen wir natürlich auch. Aber unser Fokus liegt ganz klar auf Brot und Baguettes.“

D: „Erzählt mir mehr zu eurem Konzept.“

Stefanie Steinleitner:Das Wort Konzept ist irgendwie so technisch. Uns treibt die Leidenschaft an, den Menschen etwas zu bewahren, dass sie aus ihrer Kindheit kennen…einfach ein gutes Brot.

Markus Steinleitner: „… Ganz, ganz einfach, um das vielleicht mit einem Satz zu sagen. Brot backen, wie zu Großmutters Zeiten. Es gab nur ganz wenige Zutaten. Mehl, Wasser, Salz und vielleicht ab und zu Hefe. Heute sind etwa 200 Zusätze erlaubt, um Brot zu backen. Laut Gesetz sind sie alle unbedenklich, sonst wären sie ja verboten. Wenn Dein Bauch sagt, dass Deine Oma nur 4 Zutaten für ein gutes Brot benötigt hat, hat er wahrscheinlich recht. Wir haben uns einfach entschieden, beim alt Bewährten zu bleiben und auf die 200 anderen Zutaten zu verzichten. So wie es unsere Großmütter früher, zur damaligen Zeit gemacht haben. Die haben ihren Holzbackofen gehabt, die haben ihre drei, vier Zutaten gehabt. Viel mehr hat es ja nicht gegeben und daraus habens halt einfach ihr Brot gemacht. Diese Art der Herstellung ist bei uns in den letzten Jahren immer weniger geworden und darum haben wir es uns zum Motto gemacht.“

— Er könnte Dozent werden. Von wegen in einem Satz 😉 —

D: „Wie seid Ihr eigentlich zu eurem Beruf, bzw. heutigem Stand gekommen?“

Markus Steinleitner: ….hmmmm….

D: „Du bist eines Tages aufgestanden, hast dir gedacht, heut ist ein schöner Tag. Ich werde Bäcker.“

Markus Steinleitner: *lachend* „Ganz so war es vielleicht nicht.“

Stefanie Steinleitner: * ebenso lachend* „Du bist eines Tages aufgestanden und dein Vater hat gesagt, heut ist ein schöner Tag. Du wirst Bäcker. Trifft es eher.“

Markus Steinleitner: „So war es schon eher. Meine Eltern haben 1960 eine bestehende Bäckerei in Straubing, pachtweise übernommen und ich war dann 1970 der ersehnte Sohn, der irgendwann in die Fußstapfen des Vaters treten sollte. Wobei man dazu sagen muss, das der Sohn überhaupt nicht begeistert war von dem Ganzen. Weil er eben gesehen hat, das das Leben seines Vaters größtensteils aus Arbeit und Schlafen bestand und das war natürlich für einen heranwachsenden jungen Mann nicht unbedingt prickelnd. Ich habe es dann aber, und ich weis ehrlich gesagt nicht mehr warum, dennoch gemacht. Habe eine Bäckerlehre absolviert und im Nachhinein, war es die beste Entscheidung meines Lebens.“

D: „Klingt doch schonmal super.“

Markus Steinleitner: Naja, es waren einige, verdammt harte Jahre dazwischen. Jahre in denen man erst lernen musste und in denen ich geformt worden bin. Aber am Ende muss ich sagen, so hart es auch war, heute würde ich es wieder tun.

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D: „Wirklich interessant, danke. Steffi, wie sah es bei dir so aus?“

Stefanie Steinleitner: „Meine Eltern hatten eine Metzgerei und einen Weinfachhandel. Also bin ich zwischen Wein und Wurst groß geworden. *lacht* An Bäckerei und Bäcker habe ich damals nicht gedacht. Ich wollte eigentlich immer das Geschäft meiner Eltern übernehmen und meine Eltern haben immer gesagt: „Lern lieber was gescheites.“ Also habe ich einen ganz anderen Berufsweg eingeschlagen.“

D: „Ok, also zwei Handwerksfamilien soweit.“

Stefanie Steinleitner: „Ja, und dann habe ich eines Tages den Markus kennen gelernt. Ich wusste nur das er Bäcker ist. Naja, dachte ich mir. Bäcker, früh aufstehen…naja werden wir schon hinkriegen. Irgendwann später dann, erfuhr ich das er eine Bäckerei hat und dann wollte ich mir das Ganze mal anschauen. Ich mein, ich kannte das Backen nur als Päckchen auf, Wasser dazu, umrühren und dann ist das Brot fertig. Also quasi Backmischung. Weil ich so durch meine Mama geprägt war. Sie hatte wenig Zeit und deshalb haben wir am Wochenende immer die klassische Kuchenbackmischung gebacken.“

-amüsiertes glucksen von allen Anwesenden-

Stefanie Steinleitner: „Sämtliche Sorten, von russischem Zupfkuchen, bis – ach keine Ahnung. Immer, wir haben tatsächlich jedes Wochenende einen anderen Kuchen gebacken. Also dachte ich aha, so geht backen. Also alle, auch Bäcker würden so arbeiten.“

D: „So geht es überraschend vielen, die ich kenne.“

Stefanie Steinleitner:Ich wollte unbeding wissen, was in so einer Backstube des nachts geschieht. Und als ich mitten im Geschehen stand, dachte ich, dass ich vom Glauben abfalle. Da gab es keine Backmischungen. Da wurde tatsächlich geknetet, und gesiebt und gerührt und gebacken. Also so richtig. Das war für mich ein Erlebnis, das ich so, vorher noch nicht hatte. Nach dem backen, habe ich dann ein Brot genommen und reingebissen und gedacht. WOW! Tatsächlich, das schmeckt so anders. Und von diesem Moment an konnte ich mir vorstellen, nein Moment – Ich konnte mir nicht vorstellen, sondern ich wollte mit in diesem Betrieb arbeiten und ich wollte den Menschen richtiges Brot näher bringen und erzählen, was Brot backen eigentlich heisst.“

D: „Cool, echt cool. Das klingt echt spannend. Kommen wir zur nächsten Frage. Markus. Als jemand, der täglich mit Lebensmitteln zu tun hat, hast auch sicherlich du, eine Zutat, auf die du auf keinen Fall verzichten wollen würdest. Was ist deine persönliche Lieblingszutat?“

 Markus Steinleitner: „Es gibt da eigentlich nur eines. Leidenschaft und Zeit. Man soll sich Zeit nehmen. Ein absolutes No-Go für mich ist etwas schnell – schnell machen. Steht auch genauso in meinem Backbuch. Geht mit Zeit und Muse an die Sache und ich garantiere euch das jedes Rezept gelingt. Natürlich kommt es auch auf vernünftige Zutaten drauf an. Man kann nicht erwarten das man oben Schrott reinwirft und unten was tolles bei rauskommt. Aber wenn ich mich jetzt auf eine tatsächliche Zutat, also einen Rohstoff beschränken müsste, dann wären es Urmehle, also Urgetreide. Das ist vom Kaugefühl, also vom Mundgefühl, was ganz anderes, finde ich, als wenn man normales Mehl verwendet. Oder wenn wir jetzt zum Thema Nüsse kommen. Wenn Nüsse, dann nur die Piemonteser Haselnüsse. Die Nuss knackt richtig, sie schmeckt einfach und ist nicht so komisch weich. Oder wenn wir…“

Stefanie Steinleitner: „Du solltest eigentlich eine Zutat nennen.“

D: *lachend* „Ich finds gut, da merkt man sofort die Leidenschaft zum Beruf.“

Markus Steinleitner: „Na gut, was ich sagen wollte ist. Bei Rohstoffen mache ich keine Kompromisse und will nach Möglichkeit das Beste.“

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D: „Steffi, hast du eine Lieblingszutat, die du beim kochen oder backen nicht missen möchtest?“

Stefanie Steinleitner: *Überlegt, schüttelt den Kopf* „Eigentlich…nicht so. Nein.

*kurze Pause*

„AHHHH, halt doch! Ich liebe Früchte! Cranberrys. Ich liebe Cranberrys, erst recht im Brot.“

D:“Normalerweise würde ich nach dem Leibgericht fragen, aber in eurem Fall bietet sich die Frage nach dem Lieblingsbrot eher an. Welches wäre euer absoluter Favorit, wenn es eines sein müsste?“

Markus Steinleitner: „Wenn ich mich auf eines festlegen müsste….dann wäre es ein richtig tolles Baguette. Mit einer schönen glasig, knackigen Kruste und innen drin mit einer schönen speckig glänzenden Krumme…“

*Steffi lacht*

Markus Steinleitner: „… und das dann mit einem gutem Olivenöl, einem Schuss Balsamico und einer Prise Meersalz. Dann bin ich glücklich.“

D: Steffi? Was wäre deines?

Stefanie Steinleitner: „Traube-Nuss-Brot!

D: „Traube-Nuss? Ich liebe es!“

Stefanie Steinleitner: Ja. Wenn ich das Traube-Nuss esse. Normalerweise mag ich keinen, aber wenn ich das esse. Dann muss ein schöner Schimmelkäse drauf sein und dazu ein Glass Süßwein. Das ist eine Geschmacksexplosion, die ist für mich sensationell.“

D: „Käse, früchte und süßer Wein. Kann ich mir sehr gut vorstellen.“ Ok, kommen wir zu was anderem. Ihr habt ein neues Projekt gestartet. 365 Brote. Also verstehe ich das richtig? Für jeden Tag ein eigenes Brot?“

„Stefanie Steinleitner: „Ja, genau das.“

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D: „Jetzt mal ehrlich, bitte nicht böse sein. Aber wie kommt man auf so eine Idee? Das klingt wie eine meiner typischen Ideen, unter dem Einfluss von reichlich Alkohol.“

Stefanie Steinleitner: Naja, man kommt auf so eine extreme Idee, weil…naja, du weisst doch das Deutschland eine absolute Brot Nation ist. Nirgends auf der Welt gibt es soviele Brote und so eine große Tradition und Kultur zum Thema Brot wie bei uns. Was schätzt du denn wieviele Brote es in Deutschland gibt?

D: „Ich denke das ich letztens irgendwas mit 1000 gelesen habe.“

Stefanie Steinleitner: „Inzwischen über 3200 verschiedene Sorten. Und wir dachten uns, es darf nicht irgendwann passieren, das es von Hamburg bis Rosenheim ein Einheitsbrot gibt. Die Entwicklung in so manchen Bereichen deutet ja leider darauf hin. Und so kam uns der Gedanke, wie fatal es wäre, wenn diese wertvolle Vielfalt und Brauchtum, dem Einheitsbrei unterlägen. Also beschlossen wir, mit unseren Mitteln, die uns zur Verfügung stehen und unseren Möglichkeiten, dem zumindest ein bisschen entgegenzuwirken. Und so ist diese Idee entstanden.“

D: „Das klingt echt super. Ich wäre vermutlich nicht nüchtern auf so einen Gedanken gekommen. Das hört sich auf jedenfall nach einem genialen, aufregendem und für euch enorm anstrengenden Projekt an.“

Markus Steinleitner:Naja, so schlimm ist das nicht. Ich bin ein alter Tüftler und habe die meisten Rezepte bereits.“ *lacht*

D: Das nenne ich mal Optimismus.

Stefanie Steinleitner: „Ja, wir dachten uns, ist es denn wirklich möglich? Jeden Tag ein neues Brot auf den Tisch zu bringen? *fügt mit leiserer Stimme hinzu* und vielleicht war es anfangs ein Gedankenprozess, der bei dem einen oder anderen Glässchen Wein zu viel entstanden ist.“

D: AHA! Also war doch Alkohol im Spiel.

Markus Steinleitner:Es gibt so unzählig viele Kombinationsmöglichkeiten. Die Natur hat uns so tolle Zutaten geschenkt. Und besondere Verbindungen, die besonders gut harmonieren. Das ist z. B. einer der Punkte, den wir in der Brotsommelierausbildung gelernt haben. Diese Aromen miteinander zu kombinieren.“

D: Also kann ich diese Aktionsbrote, wenn ich das richtig verstanden habe, tatsächlich nur an diesem Tag kaufen. Am nächsten Tag habe ich Pech gehabt?

Markus Steinleitner:So hatten wir begonnen. Die Aktion läuft jetzt 2 Monate und schlägt ein, wie eine Bombe. Wir haben unzählige Feedbacks bekommen, dass unsere Brotliebhaber etwas traurig sind, dass es so manches Brot nur einmal gibt. Dieses Feedback haben wir uns sehr zu Herzen genommen und das ganze ein wenige umgestellt. Wir haben zwar 365 Brote, die auch bald auf der Homepage entstehen. Wir haben allerdings 2 Dinge geändert. 1. Gibt es denn Monatsfavoriten im Folgemonat jeden Tag und 2. Gibt es aus den 30 bzw. 31 Broten der jeweiligen Brotkollektion künftig nur 4 , die dafür dann eine ganze Woche. Da wir mit Euch gemeinsam etwas gestalten wollen, kann jeder auf der Homepage abstimmen welches Brot er gerne möchte und die vier, mit den meisten Stimmen gibt es dann. „

D: Das ist echt faszinierend. Die größte Herausforderung wären vermutlich auch noch 365 Namen dafür zu finden.“

Markus Steinleitner: „Ja, das ist ein richtiges Stück Fleißarbeit. Am besten bei einem schönen Glass Wein…“

Stefanie Steinleitner: „…da kommt man dann auf die ausergewöhnlichsten Namen.“

Markus Steinleitner: „Ich muss zugeben, die meisten Namen stammen von meiner Frau. Die ist da einfach viel kreativer als ich. Aber einen Namen, den habe ich für ein Buttermilchbrot, den lass ich mir nicht nehmen.“

D: „War es denn schon dabei?“*

*Das Interview ist ein paar Tage her, daher ist das nicht 100% aktuell. Das Brot gab es leider schon am 15.09.“

Markus Steinleitner: „Nein, es kommt aber die Tage.“ *lacht* „Zenzis Zitzen.“

*….das war der richtige Moment für eine kleine Pause, da wir eh nicht mehr ernsthaft weitermachen konnten ohne in Gelächer auszubrechen.*

D: „So, geht es wieder? Also wir waren bei den Zitzen.“

Markus Steinleitner: „Mei, ich dachte mir halt Zenzi ist so ein typischer Kuhnahme und da hat sich das angeboten mit der Milch und allem.“

D: „Ok, eine Frage noch zu den 365 Broten. Habt Ihr irgend ein Konzept zu den Broten? Also welches wann erscheint oder ist das alles Zufall?“

Markus Steinleitner: „Wir versuchen schon eine gesunde Mischung zu haben, also das ein Monat nicht nur aus Weißbroten oder nur Roggenmischbrote oder Vollkornbrote besteht. Sonst wirds schnell langweilig.“

Stefanie Steinleitner: „Der genaue Plan dahinter ist eigentlich die, das wir 12 Brotkollektionen haben. Also für jeden Monat eine, die der Jahreszeit oder einem bestimmten Thema angepasst ist.“

D: „Ahh, verstehe. Habt ihr schon ein paar die Ihr verraten wollt?“

Stefanie Steinleitner: „Naja, letzten Monat gibt es ja die „Gäubodenkollektion“, passend zum Volksfest und im September haben wir die Kollektion „Alpenblühen“. Oktober könnten wir eigentlich auch schon verraten, da bietet sich die Zeit perfekt an dafür. Die wird dann „Erntedank“ heißen und im November bringen wir die „Sommelier Kollektion“ raus.“

D: „Wenn ein Kunde zu euch kommen würde. Er hat noch nie was von euch gehört, geschweige den probiert. Welches Brot würdet Ihr diesem Kunden empfehlen, so dass er euch so erlebt, wie Ihr euch das vorstellt?“

Stefanie Steinleitner: „Unbedingt das 1812er, das Lieblingsbrot unserer Kunden. Es ist ein typisches Natursauerteigbrot mit hohem Roggenanteil und ohne Hefe. Das schmeckt einfach zu allem und natürlich unser Baguette Tradition.“

D: „Wie viele wissen habt Ihr ja damals in der Sendung „Deutschlands bester Bäcker“ teilgenommen und den zweiten Platz belegt. Was hat sich dannach für euch verändert?“

Markus Steinleitner:Wir haben noch die gleiche Leidenschaft, wie vor der Auszeichnung. Wir stehen mit der selben Gesinnung morgens auf, wie immer. Es wissen jetzt einfach ein paar mehr Menschen von unserem Tun und das freut uns. Was uns sehr freut ist schon, wenn plötzlich Menschen im Laden stehen und extra nach Straubing kommen um uns zu besuchen, weil sie uns im Fernsehen verfolgt haben. Die Menschen freuen sich so und dafür sind wir sehr dankbar.“

Stefanie Steinleitner:Wir hätten doch am Anfang nie gedacht, dass wir soweit kommen. Das Feedback und die Unterstützung der Straubinger war wirklich aussergewöhnlich. Die Leute haben sich so gefreut und uns die Daumen gedrückt…wir werden sogar heute noch ganz oft darauf angesprochen. Diese Wertschätzung ist ein goßer Grund, der uns jeden Tag antreibt.“

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D: Hier habe ich noch eine Frage die jeder der mit Lebensmitteln zu tun hat gerne hört. Reden wir über Sonderfälle. Wie sieht es bei euch mit Zöliakie und Glutenunverträglichkeit aus? Was könnt Ihr diesen Kunden bieten?

Markus Steinleitner: *atmet schwer aus* Eines meiner Lieblingsthemen. Fangen wir mit der richtigen Glutenunverträglichkeit, der Zöliakie an. Wie wir wissen, leidet knapp 1% tatsächlich daran. Da ist es dann wirklich so, das Gluten ein absolutes No-Go ist. Aber, es gibt immer mehr Menschen, die einfach sagen sie haben eine Glutenunverträglichkeit. Oder das sie Weizen nicht mehr essen können und das ist mittlerweile erwiesen, das ist……“

D: „Quatsch?“

Markus Steinleitner: „Ja, so ungefähr. Es herrschte die letzten Jahre eine absolute Massenhysterie im Bezug auf Ernährung, zumindest meiner Meinung nach. Diverse Bücher wie „Weizenwampe“ oder „Dumm wie Brot“ und ähnliche Geschichten trugen dazu bei. Da muss ich aber ganz klar Stellung beziehen, das ist meiner Meinung nach und mittlerweile auch wissenschaftlich erwiesen, Humbug. Im Bezug auf diese Bücher. Weil es letzlich nur auf eines ankommt. Weizen ist nicht ungesund. Die gesamten Getreidearten, unterscheiden sich von den Inhaltsstoffen nur punktuell. Freilich ist im Weizen ein bisschen mehr Gluten, aber es ist weniger enthalten als im Dinkel. Das wissen nur die wenigsten.“

D: „Oh, okay. Das wusste ich auch nicht.“

Markus Steinleitner: „Also diese Unverträglichkeit von der viele sprechen. Bauchweh, Durchfall oder sonstiges kriegen, kommt definitiv nicht vom Gluten, sondern von den sogenannten FODMAPs, niedrigmoluklare Zuckerstoffen. Diese sind am höchsten nach einer Stunde Teigruhe, was besonders häufig in industriell gefertigten Broten der Fall ist. Da wird der Teig eingeschalten und nach zwei oder drei Stunden ist das Brot oder die Semmel fertig. Sprich wenn die FODMAPs am höchsten sind, kommen die Produkte ja schon in den Ofen und sind fertig. Es muss ja schnell gehen. Aber je länger so ein Teig liegen kann, desto weniger FODMAPs sind enthalten. Nach circa 4 Stunden sind gerade mal nur noch 10% davon drin. Das heisst, wenn heute ein Handwerksbäcker mit einer regulären Teigruhe von minimum 24 Stunden oder in unserem Fall sogar 72 Stunden arbeitet. Da kann nichts mehr drin sein.“

D. „Ahh, wow. Das ist echt etwas das ich mir jetzt privat, dauerhauft abgespeichert habe.“

Markus Steinleitner:Die meisten die ein Brot mit ausreichend Teigruhe essen, solange es keine Zöliakie ist, wird dieses Brot essen können ohne im Anschluss Beschwerden zu haben.“

Stefanie Steinleitner: „Wir haben auch ganz ganz viele Kunden, die uns das regelmässig bestätigen. Etliche die sagen das sie nach dem Konsum von unserem Brot keine Bauchschmerzen hatten. Wir wussten das vorher auch nicht woran das liegt, aber seit der Studie haben wir hier die wissenschaftliche Erklärung dafür.“

Studie zum Thema FODMAPs von der Uni Hohenheim

D: „Das war jetzt richtig spannend, da ich auch privat einige kenne die davon betroffen sind. Danke dafür. Habt ihr dann auch Produkte die auf Menschen mit Zöliakie ausgelegt sind?

Markus Steinleitner: „Wir? Nein!“

Stefanie Steinleitner: „Und das hat auch einen Grund. Das wäre fatal wenn wir das machen würden. Man bräuchte eine komplett separierte Backstube dafür. Ansonsten müsste es immer ausgezeichnet werden mit dem Hinweis: „Kann Spuren von Gluten enthalten.“

Markus Steinleitner: „Das bringt einem an wirklich Zöliakie leidendem Menschen gar nichts. Im schlimmsten Fall kann es unschöne Auswirkungen haben. Dafür müsste man sich spezialisieren, alles andere wäre verantwortungslos.“

D: „Habt Ihr persönlich noch einen Wunsch oder Ziel für die Zukunft?

Stefanie Steinleitner: „Mir ist es eine Herzensangelegeneit, das Bewusststein der Menschen für das Thema Brot und Ernährung zu wecken. Sprich wie wird es hergestellt, welche Zutaten sind am besten. Das Lieblingsnahrungsmittel der Deutschen, Brot, soll einfach den Stellenwert bekommen den es verdient.“

Markus Steinleitner: „Im Endeffekt kann ich nur das gleiche wie meine Frau sagen. Wir finden es schade wie sehr das Kulturgut Brot, an jeder Ecke, Tankstelle und was weis ich wo, verramscht wird. Das finde ich sehr schade das das so einen hohen Anklang findet. Den der Verbraucher sollte sich dessen bewusst sein. Wenn der Preis so dermassen niedrig ist, was kann denn da bitte noch gutes drin sein?“

D: Also eigentlich die gleiche Geschichte wie in der gesamten Lebensmittelindustrie. Egal ob jetzt Fleisch, Fisch oder Gemüse.

Markus Steinleitner: „Ja, genau. Und das ist das Ziel, auch wenn ich mich mehr auf das Brot fokussiere. Ich versuche die Wahrnehmung der Menschen dafür zu stärken, Bewusst und mit Verstand zu konsumieren.“

Stefanie Steinleitner: „Wir backen für die Leute die sagen: „Mir ist wichtig was ich esse,“ die wissen wollen woher Ihre Lebensmittel kommen und die Freude am Genuss haben.“

D: Ich danke euch vielmals für eure Zeit, da habe ich ja einiges zum schreiben. Hat echt viel Spaß gemacht.

Stefanie und Markus: „Danke auch, hat Spaß gemacht.“

Homepage der Bäckerei Steinleitner

365 Brote der Bäckerei Steinleitner, mit wöchentlichem Rezept!

SteinleitnerInterview4

Ich entschuldige mich bei euch Lesern für die Länge des Textes, aber ich fand so viele Dinge so spannend und habe eh schon versucht zu kürzen wo es nur ging. Vielleicht gefällt euch das Interview genauso wie mir und ich freue mich sehr über eure Zeit und euer Feedback dazu.

Bis die Tage~

Dima