In einem weit entferntem Land namens Baden-Württemberg, in dem man ein Helles bestellt und ein Weizen erhält, hielt ich mich die letzten paar Tage auf. Wahrlich wunderliche Dinge entdeckten wir in Calw, genauer gesagt Hirsau. In diesem kleinen verschlafenem 2.400 Seelen Nest, in dem der örtliche Supermark bis 24 Uhr geöffnet hat während bei uns in der 45.000 Einwohner Stadt alle Pforten um 20 Uhr schließen, bezog ich für zwei Nächte Quartier. Ich war zu Gast im

Hotel Kloster Hirsau

Wildbader Straße 2

75365 Calw

Tel: 07051 96740

http://www.hotel-kloster-hirsau.de

 

Mit 22 weiteren Kollegen waren wir gemeinsam auf einer Fortbildung. Eigentlich wollte ich einfach nur das Essen und die Atmosphäre genießen, konnte aber irgendwie nicht aus meiner Haut. Da wurde mal genauer hingekukt, dort wurde taxiert und alles musste analysiert werden. Nachdem ich das erste Abendessen eh schon nicht aufnahm bereute ich es und so ließ ich es mir wieder einmal nicht nehmen alles weitere zu bewerten. Die Fotos stammen leider vom Handy, da ich nicht damit rechnete meine Speisen abzulichten. Es wird reichlich Fotos geben und diese findet Ihr wie gewöhnlich am Ende des Berichts. Ansonsten viel Spaß damit.

Achja, ich bewerte nur das Restaurant, nicht das Hotel selbst. Aber ich kann sagen das es bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterlassen hat.

Punktevergabe:

  • Ambiente:

Von außen sehr schön mit sehr viel grün, sei es durch Büsche, Bäume oder die bergige Lage, zwar im Kern des Ortes, aber irgendwie doch ruhig. Gefiel mir verdammt gut. Im Gastraum selber ist es ein wenig verwinkelt. Man kann insgesamt zwei mal abbiegen und findet immer einen größeren Raum hinter der Ecke. Hat mich irritiert und erstaunt zugleich. Übrigens ein wunderschöner Kachelofen mitten in der Stube der für Gemütlichkeit sorgt und das Ambiente um eine urige Facette erweitert. Der Hauptspeiseraum war an einer Seite komplett aus Glas. Dadurch war der sehr große Raum komplett beleuchtet und gab einem ein Gefühl von Freiheit. Mit persönlich hat es insgesamt sehr gut gefallen und ich wüsste nicht was ich hier abziehen würde. Volle 4 Punkte.

  • Auswahl / Kartengröße / Design:

Die Karte selber wirkte ein wenig edler mit stabilem Einband und Innenrahmen. Die Auswahl war sehr gut. Es gab eine Tages- /Wochenkarte auf der regionale Spezialitäten vom badischen Spargel angeboten wurden. Die anderen beiden Seiten lieferten dann Speisen und Empfehlungen des Hauses. Eine sinnvolle und stimmige Aufteilung mit ein paar Vorspeisen und Salaten. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Genau richtig eben. Auch hier wird abgeräumt. Volle 3 Punkte.

  • Bedienung / Service:

Puuuuh. Hier wird es ein wenig schwerer. Wir wurden ja nicht nur von einer Person bedient und über zwei Tage verteilt wechselte dies ein wenig. Dies erlaubte mir aber auch einen genaueren Blick auf das Personal zu werfen. Die beiden Herren (der Ältere und der Praktikant) die sich um uns kümmerten waren sehr freundlich und hatten die meiste Zeit ein Lächeln im Gesicht. Die Damen des Hauses wirkten oft ein wenig gehetzter und lächelten eher selten im direkten Vergleich. Sie waren zwar freundlich und halfen bei Fragen oder Wünschen, aber so richtig wohl fühlte ich mich nicht bei Ihnen. Da bevorzugte ich einfach die Herren. 2 von 3 Punkten für den schwankenden Service.

  • Komposition des Gerichts / Aussehen:

Unsere Speisen hatten ein ähnliches Problem wie der Service. Von hübsch mit schöner Garnitur und Anrichte bis zu einfach rauf auf den Teller, basst scho. War alles dabei. Die Suppen waren optisch ok, Schäumchen hier das wars. Die Hauptspeisen, je nach Variante schwankten sehr. Gleiches Gericht sah bei drei Personen drei mal anders aus. Ich meine leichte Abweichungen sind ok, aber teilweise war ein Teller überschwemmt mit Soße und hatte kaum Fleisch, während der Andere nur aus Fleisch bestand, beim dritten war der Schaum nicht wirklich sichtbar, eher ein heller Soßenfleck. Oder bei den Nachspeisen. Die letzten beiden die gereicht wurden sahen aus als ob der Koch seinen gesamten Puderzuckervorrat los werden wollte, oder gerade zu Heavy Metal ein wenig „gebangt“ hat, während bei den vorherigen nur eine dezente Spur von der weißen Pracht zu sehen war. Insgesamt waren die Speisen, insbesondere die Nachspeisen, schön bis sehr schön angerichtet und somit kann ich 2 von 3 Punkten geben.

  • Geschmack:

Hier werde ich auch ein wenig ausschweifender schreiben müssen, einfach geschuldet der Menge an Speisen. Die Geschmacksbewertung erfolgte hauptsächlich durch mich, wobei ich noch zwei, drei Kollegen befragte und immer wieder ohne direkte Benotung mir Meinungen anhörte. Der gemeinsame Konsens war eigentlich sehr ähnlich Plus, Minus ein wenig. Fangen wir chronologisch an. Unsere ersten Speisen (Abends) bestanden aus Tafelspitz mit Meerrettichsoße und meinem Kloster Hirsau Pfandl (dreierlei Fleisch mit Hand geschabten Spätzle) schmeckten sehr gut. Ich hatte große Erwartungen an den Rest, der Einstieg wäre eine glatte 8 gewesen. Auch das Frühstück an beiden Tagen war im oberen Fünftel angesiedelt und ich, welcher für gewöhnlich Frühstück gar nicht mag (oder ab 11 Uhr Vormittags 😉 ) habe sehr gern zugegriffen. Bevor ich es vergesse unser Gruß aus der Küche waren immer Weißbrotscheiben mit eine Art Sour Cream / Creme Fraiché, ganz lecker, nichts besonderes. Unser erstes Mittagessen bestand aus einer Brokkolicremesuppe mit Schaum und angerösteten Pistazien. Insgesamt zwar eine gute Komposition, leider aber zu stark gesalzen, nahe am versalzen. Die Hauptspeise(n) waren unterschiedlicher Güte. Die meisten hatten Filetspitzen (sah einfach aus wie Standard Geschnetzeltes) mit Hand geschabten Spätzle und regionalem Gemüse. Es war schmackhaft, nicht spektakulär, teilweise wurde auch gemeint ein wenig fad, aber insgesamt gut. Ich hatte das vegetarische Gericht Tagliatelle in Gorgonzola-Sahnesoße mit frittiertem Rucola. Der Rucola war sehr geil, hat mich überzeugt und überrascht. Die Soße leider nicht. Ich würde sagen es war eine leicht fade, einfache Sahnesoße. Von Gorgonzola leider keine Spur. Gorgonzola muss man schmecken, riechen, erleben. Nicht verstecken, dann kann ich ihn mir auch sparen. Zumindest meine Meinung zu dem Thema. Das Abendessen, bestehend aus Vorspeisensalat oder Rinderbrühe und Hauptgang, bestehend aus Lachsaufschnitt mit Salat, Wurstsalat oder frittiertem Käse. Meine Vorspeise, die Rinderbrühe war wieder sehr kräftig gesalzen, bei den Salaten war das Dressing zu mau. Fleischsalat und Lachs waren gut. Mein frittierter Käse mit Oliven-Tomatenpaste war in meinen Augen genial. Sehr lecker, genau richtig abgeschmeckt und eine tolle Ergänzung. Einige meiner Kollegen meinten das Ihnen die Oliven gegen Ende zu aufdringlich wurden, persönlich muss ich sagen perfekt. Würde ich sofort wieder bestellen. Ihr merkt es ist wieder mal einiges zu lesen beim Hauptthema. Kommen wir zum nächsten Mittag. Tomatencremesuppe mit Schaum. Den meisten schmeckte sie, definitiv Hausgemacht. Für meinen Geschmack zu sauer, aber noch gut. Die Hauptspeisen bestehend aus, Ebly Weizen Risotto mit Austern- und Waldpilzen mit Käse, der gebeizte Fisch mit Reis auf Spinatgemüse und das Hähnchen mit Pfeffersoße und Kartoffelgratin. Das Risotto war lecker, sehr kräftig im Geschmack, ganz im Gegenteil zu den Nudeln vom Vortag. Wie der Fisch mit Spinat schmeckte weis ich leider nicht, da keiner in meiner Nähe diesen hatte. Das Kartoffelgratin war lecker, schön abgeschmeckt. Die Pfeffersoße war ein wenig mild, aber lecker. Das Hähnchen war sehr zart und sehr aromatisch, aber wieder einmal viel zu salzig. Die meisten meinten das es bei Ihnen nicht so schlimm war, im Gegenteil sogar fad. Sehr seltsame Geschichte. Die Nachspeisen dürfen wir selbstverständlich nicht vergessen. Unser erstes Dessert war ein Pfirsich Sorbet mit Bayerisch Creme, beides lecker und handwerklich gut gemacht. Nichts überragendes. Am Abend gab es Zitronenbuttermilchparfait. Das traf, zumindest auf unserer Seite des Tisches, nahezu keinen Geschmack. Es schmeckte zu streng. Unsere letzte Süßspeise war ein Schokoladenmousse welches lecker war. Ich mochte die verschiedenen Schokosorten, von Zartbitter bis Vollmilch. Sehr rund. Die Sahne war leider immer eine Sprühsahne und die Deko war nahezu immer einheitlich. 3 – 4 Früchte angeordnet neben einem kleinem Soßenspiegel aus Joghurt und Fruchtmus. Insgesamt hatten wir für alle Speisen, Punkte von fünf bis acht. Im Durchschnitt ergibt sich eine finale Punktezahl von 7 von 10 möglichen Punkten.

  • Menge / Preis – Leistung:

Da wir am Abend davor schon von der regulären Karte bestellten und ich die Preise gleich ein wenig studierte kann ich mir hier definitiv ein Urteil erlauben. Die Hauptspeisen liegen in der Regel zwischen 16 und 22 Euro. Die Vorspeisen zwischen 3 und 7 Euro und die Nachspeisen ab 6 Euro wenn ich mich nicht verkukt habe. Insgesamt zwar ein humaner Preis. Aber aufgrund der Defizite im Geschmack oder Kontinuität eher mässig. Es ist nicht teuer, gleichzeitig definitiv nicht günstig. Als guter Esser sollte man mindestens eine Vor- und/oder Nachspeise mit einrechnen. In Punkten ausgedrückt 2 von 4 möglichen.

  • Würde ich wiederkommen?

Da die meisten Speisen meinen Geschmack zwar getroffen, aber nicht begeistert haben und die Tatsache das es mir persönlich für das abgelieferte zu teuer wäre, eher ein Nein. Angenommen jemand hätte Lust auf ein schönes Abendessen und ich wäre in der Nähe, hätte ich definitiv Lust auf den frittierten Käse, würde aber auch mit den meisten Alternativen zufrieden sein. Daher nur 1 von 3 möglichen Punkten.

Specials sind in diesem Falle die wechselnden Karten die dann saisonale und regionale Produkte bieten.

Unser Fazit:

21 von 30 möglichen Punkten kann ich hier vergeben. Meistens sind es Kleinigkeiten die eine höhere Bewertung verhindern. Das Potential ist hier mehr als gegeben. Selbstverständlich muss man mit einberechnen das hier 25 Personen gleichzeitig mit Menüs versorgt worden sind und das auch gewürdigt werden sollte. Gleichzeitig muss ich aber sagen das es ja geplant werden konnte und das das Hotel sicher nicht das erste Mal mit einer solchen Gruppe zu tun hatte. Daher muss man das wieder ein wenig in Relation sehen. Für das was das Hotel darstellt hat mich die Küche nicht vollendst überzeugt. Einen Besuch ist es dennoch mehr als wert. Sei es der Ausblick oder die Qualität. Beides eine kleine Empfehlung wert.

Und somit sind wir auch schon wieder mit der Bewertung durch. Sorry an die Leser, die alles gelesen haben, für die vielen Worte. Noch kürzer wollte ich mich aber in diesem Falle nicht fassen. Sollte zufällig jemand vom Hotel diese Zeilen lesen, mit der Aussicht das wir uns in knapp vier Wochen wieder sehen zum zweiten Teil der Fortbildung und mir das Essen ein wenig schmackhafter machen wollen. Ich bin der blonde schlanke Typ gewesen…..*hust*…also solltet Ihr einen auf Brad Pitt in Fight Club machen wollen (als er gekellnert hatte) nicht vergessen, der Blonde! (Alternativ könnte ich auch eine rothaarige junge Dame sein….vielleicht klappt das ja)

Mit diesen Worten sage ich wie immer Danke für’s lesen, teilen und vor allem euer Feedback. Sollte ich etwas vergessen haben, oder einer meiner Kollegen etwas hinzufügen wollen. Zögert nicht mir zu schreiben. Ebenso gilt das für alle anderen Leser.

P.S.: Genaueres zur Bewertung hier im Eingangspost von mir.